Silverrudder 2026 zum Dritten

 

06.10.2026

Das anspruchsvollste Rennen

Obwohl ich nach der Regatta 2023 gesagt hatte, es sei das letzte Mal, wollte ich nun doch nochmal mit der neuen Tashi am Silverrudder Rund Fünen an den Start gehen. Nach dem 7. Rang 2023 erhoffte ich mir ein noch besseres Resultat, nicht zuletzt auch dank der Erfahrungen, die ich in den frühreren Jahren sammeln konnte.

Zusammen mit mir hatte auch Jonas auf der “SAPHIRE” nachgemeldet, was mich sehr freute. Er startete 2025 das erste Mal und nahm die Herausforderung auch nochmals an.

Bei der Abreise zwei Wochen vor der Regatta war noch nicht vorherzusehen, wie die Bedingungen sein würden. Das sollte sich erst ein paar Tage vor dem Rennen zeigen. Aber eines war sicher: die Stimmung im Hafen war grossartig mit über 400 Booten, alles Einzelkämpfer mit ganz verschiedenen Zielsetzungen!

Fast 100 Keelboat Small im Svendborg Hafen warten auf die Regatta

Die Zeit vor dem Rennen

Nach einer umfangreichen Vorbereitung und Freizeitsegeln zuhause mit fast 1’000 Seemeilen in dieser Saison konnte ich alle Einstellungen, Instrumente, Beschläge und natürlich die neue Ruderanlage, das Rigg sowie das Verhalten der neuen Tashi gründlich testen. Es gab einige Herausforderungen und Optimierungen inbesondere mit den Instrumenten von Raymarine, bis diese gut funktionierten.

Einmal in Svendborg angekommen, hatte ich ein paar Tage Zeit, mich mit den Verhältnissen vor Ort vertraut zu machen, insbesondere die Strömungen und Untiefen im Svendborg-Sund. Da ich die Navionics-SD-Karte vergessen hatte, fuhr ich das erste Mal mit meinem neuen Tablett und der Online-Version auf’s Wasser. Dort stellte ich dann fest, dass das Tablett gar kein GPS hatte und auf dem Wasser nicht funktionierte. Halb so schlimm, mit dem Handy kann man das überbrücken, wenn auch nicht sehr komfortabel. Ich wollte ja eh nochmals zurück in die Schweiz fliegen.

Die ersten Schläge waren vielversprechend: 10 - 15kn Wind aus SW, traumhaft schön bei angenehmen Temperaturen! Ich konzentrierte mich auf den Svendborg-Sund, da diese Passagen sehr anspruchsvoll sein können. Zuerst nach Süden und dann raus nach Westen an der Kreuz durch die engen Kanäle und wieder zurück in Gleitfahrt mit dem kleinen Reacher - wie wunderbar!

Traumtag mit Andreas und Jonas zwei Tage vor der Regatta!

Die schönsten Bedingungen hatten wir zwei Tage vor dem Rennen. Traumhaftes Westwind-Wetter, etwas böig aber gut segelbar mit 12-18kn Wind. Wir konnten fast die ganze Segelgarderobe durchtesten sowie alle möglichen Kombinationen, wie z.B. fliegende Fock und ein Reff im Gross oder ein Reff mit Reacher usw.. Jonas packte seine Drohne aus, und drehte ein paar wunderbare Videos und machte tolle Fotos an diesem Tag - herzlichen Dank dafür!

Schlüsselstelle - Svenbdborg Sund

Im Svendborg Sund sind es die teilweise sehr engen Passagen, überall Untiefen und oben drauf noch Strömung. 2017 löste die Strömung in der zweiten Nacht nach 33 Std. bei mir eine Panikattake aus, weil ich nicht gegen die Strömung kam und so wich ich auf den Motor aus um mich zu retten, anstatt zu ankern und abzuwarten. Dieses Mal sah es etwas anders aus… deshalb auch die umfangreichen Vorbereitungen. Man kann nicht einfach nur mal dahinfahren und hoffen, dass alles gut kommt. Das wäre die lange Reise nicht wert! Jeder (Binnen)Segler muss unbedingt die kritischen Kanäle mehrmals bei wechselnder Strömung abfahren, um sich damit sowie den Untiefen vertraut zu machen und auch nachts die Umgebung und Mooringplätze zu erkennen. Hinzu kommen Veränderungen des Wasserstands bei Ebbe und Flut.

Zusammen mit Andreas und Jonas unter Reacher zwei Tage vor dem Silverrudder - einfach nur schön!

18.09.26: Heftige Wetterprognosen aus Westen

Gemeldet ware 96 Boote in der Kategorie, wovon 52 das Ziel erreichen sollten. 18 Seascape 27 bzw. Bénéteau First 27 waren gemeldet - die Klasse hat sich sehr gut etabliert mit vielen erfahrenen Segler. Am Tag der Regatta war dann starker Wind aus Südwest drehend auf West angesagt. Im Sund selbst kommen nur Böen durch, aber kein wirklich stürmischer Wind. Die Prognosen sagten nachmittags 17-20kn aus SW mit Böen bis 25kn und gegen Samstagmorgen 22kn aus West mit Böen bis 33kn. Jonas wie auch viele andere entschieden sich, nicht zu starten, darunter auch der letztjährige Sieger auf der Dehler 30OD. Hut ab vor einer solchen Entscheidung, nach all den Vorbereitungen. Das fällt einem nicht leicht und an den Start geht man dann doch auch mit gemischten Gefühlen, insbesondere, weil der Wind während der Nacht noch zunehmen sollte und mit entsprechend hohen Wellen zu rechnen war. Der Forecast unten zeigt die erwarteten Windverhältnisse in der geschützten Marina von Svendborg.

Am Start gabe es wechselnd böiger Wind

Start der Keelboat Small mit böigem Wind und unterschiedlichen Segelkombinationen. Auf dem Bild zwei Segeler aus der Schweiz: Jörg und Andy

Von Svendborg bis Fynshoved im Norden

Auch wenn ich am Start zu vorsichtig war mit der Besegelung, kam ich doch einigermassen gut aus dem Sund. Nach dem Abfallen setzte ich die fliegende Fock, was sich schliesslich als nicht optimal herausstellte. Die meisten warteten etwas ab, fuhren Höhe und setzten dann den Gennaker zur Südspitze hin und konnte nach der Halse am südlichen Punkt den Kurs Richtung “Grosser Belt” halten. Ich fuhr zu früh unter Land und konnte den Gennaker erst nach dem südlichen Punkt nach Thuro Rev setzen. Ich musste sogar nochmals vor einer Untiefe wegwenden. Dort verlor ich den Anschluss an die erste Gruppe, welche nun deutlich schneller davon gleitete. Zudem montierte ich auf Steuerbord-Bug (Wind von Backbord) den Wasserballast und verlor wertvolle Zeit mit dem Setzen des Schlauchs und dem Aufpumpen. Der Schlauch löste sich immer wieder vom Ruderblatt, weil das hohe Tempo zuviel Druck aufbaute. So benötigte ich schätzungsweise 10 Minuten, bis alles installiert war. Im Nachhinein ein Fehler, der mich sehr viel Distanz und v.a. Kraft kostete. Einmal mehr zeigt sich, dass man an Regatten nichts Neues ausprobieren soll, auch wenn es ein paar Tage vorher recht gut klappte.

Einmal den Reacher oben, flog Tashi dann im Volltempo über’s Wasser. Ich registrierte eine Höchstgeschwindigkeit von 14.6Kn SOG mit fast zwei Knoten Gegenströmung. Dazu kam ein tolles Wetterbild mit Wolken und Sonne. Da kommt dann richtig Freude auf! Auf etwa halber Distanz zur Grossen Beltbrücke drehte der Wind dann mehr nach Westen und ich konnte den Reacher nicht mehr halten, wechselte auf die fliegende Fock und ein Reff im Gross, was das Boot immer noch auf 12kn SOG beschleunigte. Einfach nur schön! Auf dem Tracker sieht man diese Spitzen nicht, da dort nur alle paar Minuten die Position aktualisiert wird. Kurz vor der Grossen Beltbrücke musste ich dann auf die Fock wechseln, weil der Wind stetig zunahm und immer mehr von der Seite kam, d.h. ca 90° TWA. Ein Kurs, den die Saphire und ich nicht mögen… Immerhin gab es nur wenig Welle, da der Kurs am Land entlang führte und je näher man am Land segelte, desto weniger Gegenströmung gab es. Dafür waren die Böen umso stärker und halt erst relativ spät sichtbar. Es kamen immer wieder Westwindfronten, die auch entsprechend starke Böen auslösen. Nach etwa halber Distanz von der Brücke zum nördlichen Fyns Hoved setzte ich dann ein Reff in die Fock und segelte so mit insgesamt zwei Reffs. Das war eine gute Entscheidung, auch wenn ich mit den Reachingbooten meiner Klasse nicht ganz mithalten konnte. Die Seascapes sind für diese Kurse entwickelt und haben dann deutlich mehr Stabilität und fangen viel der Seitenkräfte auf dem Rumpf auf und nicht nur auf dem Kiel.

Einmal in Fyns Hoved angekommen, es war inzwischen früher Abend, führt der Kurs dann genau Richtung Westen voll gegen die Welle. Da ich ähnliche Bedingungen 2017 schon mal mit Lasse und Thomi gesegelt war, kannte ich die Strapazen gegen die Welle nur allzu gut. Diesmal hatten wir noch rund eine Windstärke oben drauf, d.h. 6 in den Böen bis 7. Mindestens fünf Stunden bei 2m Welle sollte es dauern und in die Dunkelheit hineinführen. Also ein zweites Reff ins Gross und alle Schotten dicht!

Nach dem Wendepunkt im Norden liess ich dann das Wasser aus dem Ballstsack ab. Dummerweise war die Öffnung hinten statt vorne und es lief ganz viel Salzwasser in die Kabine als auch auf mein Handy in der Eingangstasche sowie auf meine Ersatzkleider. Damit hatte ich nicht gerechnet und das hatte mich auch einen Moment lang erschüttert, bis ich den Sack endlich geleert hatte, um wenden zu können. Sicherlich konnte ich mit dem Ballast etwas an Geschwindigkeit zulegen, insgesamt war es aber keine gute Entscheidung.

Foto von Fyns Hoved noch im Schutze der Insel. Im Hintergrund sieht man die Wellenberge. Hier noch mit einem Reff in der Fock und einem Reff im Gross.

Fynshoved Richtung Lillebelt: die Navigation fällt aus!

Die Kreuz war dann doch sehr anstrengend in den grossen Wellen. Ich fuhr eher unter Land, um nicht die volle Wucht zu erwischen. Auf diesem Kurs mit insgesamt drei Reffs liess sich das Boot jedoch gut steuern und fuhr auch schnell und immer noch hoch. Bilder konnte ich leider keine machen, weil es einfach zu wild war und der Pinnenpilot in der Welle das Boot nicht halten konnte. Da braucht es einen richtigen Unterdeck-Piloten, der dafür konzipiert ist. Auch war es nur schwer möglich, die Wetterapps zu konsulieren mit der Gischt und den Regenschauern, die immer häufiger mit den Fronten daherkamen. Diese sieht man in der Dunkelheit nicht mehr und muss einfach darauf gefasst sein, dass es zwischendurch richtig ruppig wird - aber auch das geht vorbei! Kommt hinzu, dass weder die Touch-Screens des Plotters noch des Handys sich vernünftig bedienen lassen, wenn sie nass sind.

Als es dann dunkel war, fiel die Raymarine Navigation bzw. das GPS aus. Ich hatte den Plotter für dieses Rennen eingebaut und auch ausgiebig getestet. Aber leider nützt die Werksgarantie in solchen Situationen nichts! Ich nahm mein Handy aus der Eingangstasche und segelte damit weiter. Im Moment war das Risiko irgendwo aufzulaufen nicht sehr gross bis nach AEbelo Fyr, aber ich entschied mich rechtzeitig, die Halbinsel grosszügig zu umfahren und dafür etwas mehr in der Welle zu bleiben.

So grosse Welle bei Nacht und Dunkelheit sind auch eine Herausforderung, weil man nicht mal schnell ins Lee kann, um zu schauen, ob da einer kommt. Es war jedes Mal ein Balance-Akt, unter dem Grossbaum nach anderen Navigationslichtern Ausschau zu halten. Ein kurzer Blick unten durch und man sieht z.B. rot. Heisst das jetzt, dass ein anderes Segelboot schräg vorne im Lee parallel zu mir segelt oder heisst es, dass es auf dem anderen Bug daherkommt? Gibt es noch ein weisses Licht dazu und in welche Richtung bewegt es sich? Nicht ganz einfach, das bei 2m Welle zu erkennen. So gab es auch zahlreiche Kollisionen, aber zum Glück keine Totalschäden.

Als ich gegen 23.00h bemerkte, dass mein Handy nur noch 20% Akku hatte, holte ich das Ladekabel in die eigens dafür gesetzte Buchse im Cockpit um festzustellen, dass aufgrund der Feuchtigkeit keine Ladung möglich war. Dumm gelaufen… Mittlerweile war ich schon in der Nähe von Bogensee und näherte mich dem kleinen Belt Richtung Fredericia. Der Wind war immer noch heftig und böig, aber die Wellen wurden zum Glück kleiner.

Ich hatte noch mein altes Handy mit eingepackt und auch eingerichtet! Dies auch nur dank der Erfahrung vom Vegvisir 2023 mit Danny, wo wir einen Kabelbrand an Bord hatten und in einer ähnlichen Sitution steckten. Ich steckte das Handy in eine durchsichtige Plastiktüte und hoffe, dass es die nächsten 10-12 Stunden durchhalten würde. In einem solchen Moment kommt dann schon ein etwas mulmiges Gefühl auf: Tablet ohne GPS, Plotter und Handy ausgefallen, stockdunkel, umgeben von vielen Booten, stürmischer Wind und Welle und alle einhand unterwegs. Einen Moment lang überlegte ich mir, ob ich im Lillebelt aufhören sollte oder nicht. Ich entschloss mich aber weiterzusegeln! Gemäss Wetterbriefing sollte der schwierigste Teil hinter mir liegen…

Lillebelt - Assens

Endlich komme ich in geschütztere Gewässer. Ein grosser Frachter sucht gerade die Ausfahrt aus dem kleinen Belt, aber diese schwimmenden Inseln sieht man zum Glück sehr gut. Die Fahrt durch den kleinen Belt verlief recht gut, Zeit für etwas Erholung, essen und trinken, Kleiderwechsel, ein Reff aus dem Grosssegel nehmen, aufräumen und mal für kurze Zeit den Autopiloten steuern lassen. Leider funktionierte dieser nun auch nicht mehr richtig. Zwischendurch blockierte er, zwischendurch funktionierte er wieder, aber warum genau, konnte ich nicht herausfinden. Der Wind war im kleinen Belt nicht stark, aber es kamen immer wieder Böen aus verschiedenen Richtungen heran, sodass man dennoch auf der Hut sein musste. Bei der Ausfahrt des Belts stieg der Wind wieder, aber ich entschloss mich, das zweite Reff im Gross noch nicht einzubinden - das stellte sich später als Fehler heraus!

Der Wind nahm stetig zu wie auch die Welle. Das veranlasste mich, als eines der wenigen Boote hinter der Insel Bago durchzusegeln. Es war mittlerweile 04.30h und ich wollte etwas im Windschatten der Insel bei weniger Welle segeln, was sich als richtig herausstellt. Dummerweise funktionierte der Pinnenpilot wieder nicht korrekt, sodass ich von Hand steuern musste und das Einbinden den zweiten Reffs nicht möglich war, zu böig war der Wind. Entweder beidrehen und das Vorsegel backstellen oder abwettern. Würde der Wind zunehmen oder nicht? Auf dem nassen Handy hatte ich Mühe den Kurs anzuzeigen und wollte nicht noch herumfummeln, um die Wetterdaten zu aktualisieren, also entschied ich mich, abzuwettern und weiterzusegeln. Das ging auch recht gut bis Assens.

Assens - Skaro By

Von hier ging es dann richtig los… kurz vor 05.30h segelte ich an Assens vorbei und sehnte mich schon nach dem Tageslicht. Die Navigation mit dem nassen Handy war äusserst schwierig und ich fand mich im “Sicherheitsmodus” und nicht mehr im Racemodus. Ich folgte v.a. den anderen Lichtern und war überglücklich, als der Tag langsam anbrach und es hell wurde. Mein Partnerin wünschte mir einen schönen Sonnenaufgang, aber da waren nur Westwindfronten mit Regenschauern und Böen bis 35kn. Das Boot liess sich kaum mehr auf Kurs halten und ich musste immer wieder hoch an den Wind, um dann stärker abzufallen. Den 90° Winkel zum wahren Wind konnte ich nicht mehr halten. Das Boot schoss bei jeder grösseren Welle oder Bö in den Wind oder lief aus dem Ruder. Zu gross war die Segelfläche im Grosssegel und jetzt noch zu reduzieren, war ich kaum in der Lage, bzw. das Risiko, die Pinne loszulassen, war mir zu hoch. Zum Glück flaute der Wind zwischen den Fronten auf 22-25kn ab, sodass ich in diesen Phasen gute Kontrolle über das Boot hatte, aber halt nicht lange.

Um 07.30h konnte ich dann ein kurzes Video machen, da es gerade zwischen zwei Fronten etwas ruhiger war.

 
 

Ein zweitletztes Abenteuer bei Skaro By zum Svendborg Sund

In dieser Gegend war der Wind am stärksten. Es war mittlerweile ca. 09.45h, als Tashi erneut auf der Seite lag und ich nicht mehr abfallen konnte. Dumm nur, dass ich gegen eine Untiefe vor der Insel driftete. Also kam der Reflex, alle Segel dicht und hart am Wind genau Richtung Untiefe zu steuern, um dann eine Wende zu machen. Das gelang auf Anhieb und das Boot driftete dann auf dem anderen Bug weg von der Untiefe und es galang mir auch wieder, abzufallen. Leider zogen da ein paar andere Boote mit viel weniger Segelfläche an mir vorbei.

Im Svendborg Sund gabe es dann weniger Welle aber nicht weniger Überraschungen… Der Wind lies etwas nach, aber die Böen waren immer noch stark. Die Herausforderung war vielmehr, nicht in die Untiefern zu gelangen und im Kanal zu segeln. Alles gut, bis dann wieder eine dieser grossen Fähren auf mich zu steuerte. Gegen die hatte ich schlechte Karten und ich entschloss mich, eine Halse zu wagen, um von der Untiefe rechts von mir wegzusegeln. Zuerst musste ich jedoch die verwickelte Fockschot auf dem Vordeck entwirrren. Pinnenpilot rein und sofort aufs Vorschiff. Keine drei Sekunden später gab es einen Sonnenschuss und Tashi hielt die Nase in den Wind, wieder Richtung Untiefe, während ich auf dem Vordeck mit Kopf nach unten mich an der Reling abstützte. In solchen Momenten funktioniert man dann nur noch, ohne zu überlegen. Ich konnte mich aus der misslichen Situation retten und sprang zurück ins Cockpit, um das Boot wieder auf Kurs zu bringen. Die Halse gelang und ich fuhr vor der Fähre durch und weg von der Untiefe. Das sollte die letzte Kapriole vor dem Ziel sein!

Nach dem Zieldruchgang erschöpft in den Hafen, wo ich zum Glück von Andreas und Jonas empfangen wurde

Endlich zurück im Hafen

Nach dem Zieldurchgang zeigt sich die grosse Erschöpfung, das System bricht fast zusammen, die Kräfte sind weg, das Gleichgewicht ist weg und man kann kaum mehr klar denken. In solchen Momenten sind gute Freunde das beste Heilmittel! Andreas und Jonas sind extra in Svendborg geblieben, um mich nach der Regatta zu empfangen! Sie haben mir eine so grosse Freude gemacht, wie ich sie kaum ausdrücken kann. Die beiden haben das Boot übernommen während ich nur noch so hin und her taumelte. Ich konnte eine Dusche nehmen und neue Kleider anziehen, die ich im Auto bereitgelegt hatte. Danach war ich war zwar noch anwesend, aber für nichts zu gebrauchen, kaum ein Handgriff gelang. Nachdem mir die beiden ein paar Stunden geholfen hatten, gingen wir zusammen zum Thailänder! Was für ein Festessen! In den 24 Stunden auf Regatta musste ich nur einmal Wasser lösen, alles weggeschwitzt und hatte die letzten 10 Stunden weder getrunken noch gegessen. Es gab einfach keine Möglichkeit mehr ins Boot zu gehen und die Flasche aufzufüllen. Mit so schwierigen Bedingungen hatte ich tatsächlich nicht gerechnet. Aber dennoch ist es möglich, unter solchen Bedingungen zu segeln.

Rangliste

Kaum zu glauben, aber die Kategorie Keelboat Small wurde von einer Esse 850 gewonnen vor der neuen Sunfast 30OD und der Greenboats MB9, welche den Rumpf der Dehler 30OD nutzt. Wie Patrick Heinrichs das geschafft hat ist mir ein Rätsel, zumal auch er zwischendurch über Bord gespült wurde, aber seine Leistung ist aussergewöhnlich und seine Erfahrung auf diesem Kurs enorm. Er gewann schon mehrere Male, früher in der Mini-Klasse bei ebenso starkem Wind. Von den 96 gemeldeten Booten sind 54 ins Ziel gekommen bzw. gewertet worden. Ich belegte den 26. Schlussrang. Das zählt nicht zu meinen Topresultaten, aber dennoch bin ich glücklich, ohne Schaden die Insel umrundet zu haben.

Fazit

Die erste Nacht schlief ich wie im Koma und die zweite Nach lag ich wach im Bett bzw. im Auto und dachte nach, was ich alles hätte anders oder besser machen sollen und wo ich wirklich Glück hatte! Die Bilder verfolgten mich noch lange. Das Boot, die Segel sowie die neue Ruderanlage haben allem standgehalten, ohne irgendeinen Schaden. Dennoch gab es die Überraschungen mit dem Ausfall der Navigation und dem Pinnenpiloten sowie dem starken Wind und der Welle.

Für mich war es das letzte Silverrudder, obwohl die Erfahrung unvergesslich ist. Wenn ich bei gleichen Bedingungen nochmals starten könnte, würde ich vieles anders machen, v.a. bezüglich der Segelwahl! Kleinere Segelflächen und nicht ausreffen. Man soll nicht im Moment reagieren sondern Stunden vorausdenken. So wenig Manöver wie möglich und abwarten, z.B. nach dem Start zuerst beobachten und eine Zeitlang segeln, bevor eine fliegende Fock oder ein Gennaker gehisst wird oder im Lillebelt einfach mal den Racemodus zurückstellen und mit allen Reffs weitersegeln. Keine Experimente mit Wasserballast, wenn das vorher nicht auf Herz und Nieren getestet wurde. Die Bedingungen sind sicher anders, als man es sich zuhause oder auch unmittelbar vor der Regatta vorstellt. Wenn die Prognosen so starken Wind vorhersagen, soll man das wirklich ernst nehmen und sich gut überlegen, ob man überhaupt starten will oder nicht. Ich habe Respekt von der Entscheidung von Jonas und vielen anderen, nicht zu starten. Andere hatten Kollisionen, kenterten oder wurden über Bord gespült oder mussten nach einem Herzinfarkt wiederbelebt werden - aber alle haben überlebt! Das ist schon krass und zeigt auch die Gefahren, die hinter einem solchen Abenteuer stecken. Man darf es niemals unterschätzen - jeder ist komplett auf sich selbst gestellt - Hilfe kommt, wenn überhaupt, erst Stunden später! Selbst als Roger (50 Miglia lago Maggiore) mit seiner Seascape 1km vor dem Ziel aufgelaufen war und ein Notsignal absetzte, dauerte es über eine Stunde, bis Hilfe zur Stelle war. Es bricht einem das Herz zu sehen, wie diese Kämpfer auf Grund laufen und disqualifiziert werden nach einer solchen Anstrengung, aber das sind die Spielregeln: keine Hilfe von Aussen.

Am Start in Svendborg