Von Abenteuer zu Abenteuer

 

01.04.2026

Von Abenteuer…

Ein kurzer Abriss der Geschichte der Saphire 27… Damals suchte ich ein trailerbares Segelboot für Regatta und Familie und konnte nichts Passendes für Binnenseen finden. Mit Ausnahme der Seascape 27 gab es überhaupt keine Neuentwicklungen in der 8m Grösse und war bei meiner Entscheidung auch noch nicht im Markt angekommen. Mein Wunsch war es ein Boot zu bauen, dass die Nachfolge der Surprise antreten sollte.

Weltpremière 2012 anlässlich der Bootsmesse in Friedrichshafen

European Yacht Of The Year 2014

 
 

Lancierung der Saphire Cruise 2016

2018 wurde Delphia an Bénéteau verkauft. Ich musste eine neue Werft suchen. Leider geriet ich dadurch in grössere Lieferschwierigkeiten und entschied, 2019 die Produktion zu stoppen. Glücklicherweise konnte ich alle bestellten Boote noch im selben Jahr ausliefern.

 
 

… zu Abenteuer

Seit fast 14 Jahren segle ich nun auf der Saphire und habe immer wieder neue Ideen umgesetzt und ausprobiert. In dieser Zeit sind auch viele spannede Neuerscheinungen auf den Markt gekommen und Vieles hat sich verändert:

Marktveränderungen

Ein fester Bugsprit mit einem fliegenden Rollsegel gehört heute schon bei den Cruisingbooten zum Standard. Nicht weil sie dadurch schneller segeln, sondern weil es im Trend liegt und das Segeln noch einfacher und komfortabler macht. Mit fliegenden Vorsegeln, die weder Höhe noch Tiefe laufen gewinnt man zwar kein Silber, aber sie lassen dennoch Spass aufkommen und sich schnell wegrollen, wenn’s dann mal Wind gibt... Doppelruder sind schon fast ein Muss - auch wenn diese auf Binnenseen mehr bremsen als nützen und ein Wave Piercer Bug sieht natürlich top modern aus und man fühlt sich damit schon fast wie auf einer Vendée Globe und nicht zu vergessen die modernen “Chines”, die im Heck viel Stauraum generieren und wohl deshalb so populär wurden.

Viele Neuheiten bei den 30 Fuss Yachten

Darüber hinaus gibt es für Küstengewässer viele neue sportliche Boote im Bereich der 30 Fuss Yachten: L30, Dehler 30OD, First 30, Sunfast 30 OD, Farr X2, Aelos P30 oder eine Corsa 915. Und noch in der Planung für Binnengewässer, die neue und hübsche Esse 890. Leider kostet jedes dieser Sportboote z.T. deutlich über CHF 200’000 mit einer einigermassen sinnvollen Ausrüstung und eignen sich eigentlich nicht für Leichtwind-Binnenseen mit Ausnahme der Esse. Die meisten dieser Boote sind auf Reachingkurse an der Küste ausgelegt und bringen dort viel Spass. Bei unseren Leichtwindrevieren hingegen sind schlanke Boote mit wenig benetzter Fläche gefragt, die schon bei leichten Winden hoch kreuzen und tief mit Gennaker segeln. Moderne Daysailor wie z.B. die Saffier 28 Leopard oder die Sunbeam 29.1 sehen hübsch aus, können aber nicht mit den klassischen Sportbooten mithalten, weil sie deutlich über 2 Tonnen schwer sind und im Verhältnis wenig Segelfläche tragen. Ausgerüstet landen auch diese Boote jenseits der CHF 200’000.

Schon wieder nichts Passendes gefunden…

Was bleibt da anderes übrig, als das eigene Konzept weiterzuentwickeln und den eigenen Wünsche sowie dem Zeitgeist anzupassen? Nicht für eine Grossserienproduktion aber vielleicht für Liebhaber, die etwas Spezielles wollen, was sie so nicht auf dem Markt finden. Einzelstücke perfekt auf den Eigner abgestimmt!

Die folgende Bilder sind der Auftakt vom Bauernhof, auf welchem die Formen sieben Jahre gelagert waren in eine neue Werft im Norden Polens.

 
 
 
 

Also, nochmals von ganz vorne;-)

Ganz von vorne natürlich nicht, da ja schon einges bestand. Angefangen hatte alles mit zwei Telefonaten im Frühjahr 2025 von bestehenden Kunden, die gerne eine neue Saphire kaufen wollten und ich selbst war auch offen für ein paar Ideen. Daraufhin nahm ich Kontakt mit einer Werft in Polen auf, die ich schon 2012 besuchte und damals in der engeren Auswahl stand. Nach einigen Besuchen und vielen Gesprächen scheiterten aber die Verhandlungen und so begrub ich das Projekt, erteilte Absagen an meine Kunden und verreiste letzten Herbst für drei Monate nach Indien und Nepal.

Der unerwartete Anruf, der alles verändern sollte…

Dort erreichte mich der Anruf meines ehemaligen Projektleiters, der den Kontakt zu einer Werft im Norden Polens betonte und wir machten ein erstes informelles Online-Meeting im Oktober 2025 zwischen Indien und Polen. Es zeigte sich sehr schnell, dass wir auf der gleichen Linie waren und wir uns alle eine Zusammenarbeit vorstellen konnten. Ich kaufte mir danach in Nepal ein Tablet, um etwas besser mit den Daten umgehen zu können. Zum Glück hatte ich alle Daten der Vorgespräche mit der ersten Werft auf meinem OneDrive gespeichert und konnte so darauf zugreifen. Ich erstellte einen Rahmenvertrag, welchen wir Mitte November 25 unterschrieben. Daraufhin wurden die Formen ausgegraben und in die Werft verlagert (2 grosse LKWs mit Anhänger) und Ende Jahr waren die Carbon-Laminate von Rumpf und Deck schon erstellt!

Wunschliste machen

Natürlich wurde auch der Architekt Claudio Maletto wieder eingebunden: ein fester Bugprit für die fliegende Fock sowie ein ausfahrbarer Teil für den Gennaker durften genauso wenig fehlen wie ein tieferer Kiel, eine neue Ruderanlage und ein neues Rigg:-). Ziel war, das Boot noch ausgewogener und v.a. 100% einhandtauglich zu machen. Dank dem festen Bugsprit kann die fliegende Fock permanent angeschlagen bleiben. Das ist einhand eine grosse Erleichterung. Der 50cm höhere Masten erlaubt etwas mehr Fläche vor dem Wind. Zudem ist er für Regatten mit Backstagen ausgestattet, welche für die Segelschule nach vorne gebunden werden können, da sie strukturell nicht notwendig sind.

 
 

Viel Präzisionsarbeit

Ein paar dieser Spezialitäten seine hier kurz aufgeführt, z.B. der Kiel mit einer Weldoxstahl-Struktur und der Carbon-Finne mit Bleibombe. Oder die Konstruktion des neuen Bugsprits im verkleinerten Ankerkasten. Das hat den Designer sowie die Werft und den Mastbauer ziemlich gefordert! Es soll ja nicht nur funktionell sein sondern auch noch hübsch aussehen. Hinzu kam der Spezialwunsch nach einer Kompressor-Kühlbox für die Wochenenden und einem leichten Carbon-Hubsystem für flache Gewässer.

 
 

Rumpf und Deck

An der Beschlagsausrüstung musste wenig geändert werden, hier konnten wir zum Glück auf die bestehenden Lieferanten zurückgreifen. Nautos hat eine Spezialentwicklung für den doppelten Fockschlitten entwickelt (Fock und fliegende Fock) und von Antal haben wir die bewährten Winschen, Umlenkrollen und Stopper herstellen lassen.

Leichtbau

Rumpf und Deck wurden im Infusionsverfahren hergestellt, jedoch ohne Gelcoat. Dazu wird vor dem Laminieren Grundierung statt Gelcoat in die Fromen gespritzt, dafür braucht es deutlich mehr Nacharbeit. Es wurde aus Zeitgründen darauf verzichtet, einen neuen Laminatplan zu erstellen, d.h. man hätte die Laminate leichter bauen können. Die Werft hat hier einen guten Job gemacht und durch die präzise Arbeit und Expertise viel Gewicht eingespart. Die Laminate von der Sportversion wogen vorher rund 650kg und in der Carbonversion sind es etwa 450kg. Das ist eine tolle Einsparung, aber gemessen am Gesamtgewicht mit Motor, Batterien, Decksausrüstung, Masten, Segel, Innensausstattung sind es letztendlich halt doch nur 200kg. Man will ja nicht auf Komfort verzichten…

 
 
 
 

Rigg und Segelplan

Wie eingangs kurz erwähnt, wird das Vorliek des Grosssegels 50cm länger, d.h. 10.20m. Der feste Teil des Bugsprits ist 75cm lang und kann nochmal um einen Meter ausgefahren werden, d.h. plus 75cm gegenüber heute. Der Grossbaum wird um 30cm kürzer, weil das in der Segelschule viele Vorteile bringt und auch der Laterlaplan etwas besser wird. So entsteht ein schlankeres, höheres Grosssegel. Die Fock ist 20cm weiter oben und 10cm weiter vorne angeschlagen. Der Fockroller bzw. die Trommel ist nun über Deck, was weniger Reibung. Daraus reslutieren folgende Segelflächen nach ORC/IMS:

  • Gross 25.4m2

  • Fock 16.5m2

  • Fliegende Fock: 22.3m2

  • Gennaker A2: 72.3m2

  • Reacher A5: 48.8m2

Als Segelmacher kommt für mich nur Arnaud Gavairon von TopVoiles in Frage. Ich hatte die letzten Jahre viele gute Erfahrungen mit Design, Qualität und Service gemacht: never change a winning horse. Arnaud hat aufgrund seiner Erfahrung mit der Saphire die Vorgaben für das neue Rigg erstellt.

 
 

Segelplan Saphire Evo 2026

 
 

Ruderanlage

Das bisherige Steckruder konnte zum Slippen hochgezogen werden und war nicht vorbalanciert. Auf Reachingkurse hatten wir Druck auf der Pinne und ich entschied mich für eine vorbalancierte Steueranlage. Dazu kam wie bei allen angehängten Rudern ein Ventilationseffekt bei Krängung und Welle vor dem Wind, was zu Strömungsabrissen führen konnte. Somit sollte das neue Ruderblatt rund 20% vorblanciert werden, unter den Rumpf gehen und ein etwas dickeres Profil erhalten, damit dieser Ventionaltionseffekt hinausgezögert werden kann. Darüber hinaus soll eine schöne Carbonpinne einen “heissen” Look erzeugen und alles für die Aufnahme des Ferngashebles sowie den Pinnenpiloten vorbereitet werden. Und last but not least, soll die neue Ruderanlage auch auf die bestehenden Boote passen!

 
 

Vergleich altes und neues Ruderblatt

 
 

Sonstige Ausrüstung

 
 

Neben dem Kompressor-Kühlschrank gibt es noch ein paar andere Spielereien, die man verbauen kann…

POD-Motorisierung

Für die Segelschule eignete sich der Schachtmotor nicht besonders gut, weshalb ich bereits die Viento 2019 mit einem 4 KWh Pod-Motor von Torqeedo ausrüstete. Diese Entscheidung hatte ich nie bereut und so musste trotz Bremswirkung und Gewicht wieder ein POD-Motor eingebaut werden. Die neue Variante hat 6 KWh und eine 5000 KWh Batterie. Ich hatte mir zwar alle neuen Entwicklungen angeschaut, sowohl günstigere Hersteller wie auch Motoren mit Saildrive, aber die Preise und Gewichte variieren enorm und bei der aktuellen Torqeedo Variante sind Preis, Gewicht, Wiederstand und Leistung stimmig.

Instrumente

Bei den Instrumenten stand die Lesbarkeit und Einhandtauglichkeit im Vordergrund. So entschied ich mich für eines diese neuen grossen Displays am Masten, bei welchen mal alles selbst konfigurieren kann sowie einen schnellen Pinnenpiloten von Raymarine.

Korkdeck

Und last but not least - neben dem Kompressor-Kühlschrank - wollte ich wieder ein Corkdeck. Seit ich dieses 2019 auf der Viento installiert hatte, bin ich begeistert davon. Es ist (pflege)leicht, natürlich, dämmt, rutschfest und sieht hübsch aus.

 
 

Corkdeck Installation

 
 

Verkauf

Nein, es gibt keine Werbekampagnen oder sonstige Verkaufsaktivitäten mehr. Es handelt sich um ein Einzelstück, aber es wäre denkbar, in den nächsten 12 Monaten weitere Einzelstücke zu beauftragen bevor ich die Formen entsorgen lasse. Die Vorlaufzeit beträgt mindestens ein halbes Jahr. Eine Preisliste gibt es natürlich nicht, aber nach den “sea-trials” im Vierwaldstättersee wird feststehen, wie teuer diese Spielerei werden wird. Funktionieren wird sie, da bin ich mir sicher;-).